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Goldgrube Schadenportale

12:29

Sie sprießen in den letzten Wochen und Monaten wie Pilze aus dem Humusboden: die Schadenportale. Die Zutaten sind recht überschaubar. Man nehme einen guten Vertriebler, einen schnellen Firmenwagen und investiere ein wenig Geld in eine recht simple Anwender-Softwarelösung. Das Ganze nennt man dann Schadenportal, Schadenportal24, TÜV-Nord Schadenportal usw. Dann stattet man den Vertriebler mit den Adressen der bundesweiten Reparaturbetriebe aus und schickt ihn auf die Reise. Wenn alles gut läuft, findet der Vertriebler in den kommenden Wochen genügend Betriebe, die er von der Notwendigkeit und der Nutzung des kleinen Softwareprogamms überzeugen kann. Erklärt sich der Betrieb bereit, von nun an alle seine KH-Schäden in dem Portal zum Verkauf einzustellen, ist auch schon die wesentliche Arbeit getan. Denn nun beginnt für den Betreiber des Portals der angenehme Teil der Arbeit: Die Umwandlung der Schäden in klingende Münze!

Alter Wein in neuen Schläuchen

Dabei ist das Schadenportal selbst oder besser die Softwarelösung dazu ein ziemlich alter Hut. Nahezu jede Anwaltsoftware erfüllt beispielsweise seit langem die notwendigen Bedingungen zur Schadenabwicklung. Der Unterscheid liegt lediglich in der Anzahl der Zugriffsrechte. So werden die Schäden nicht mehr von der Kanzlei, sondern vom Autohaus selbst eingestellt. Kauft der Kfz-Sachverständige die Gutachtenerstellung für den Schaden, verfährt er mit seinem Gutachten ebenso. Gleiches gilt für den Anwalt, der dann die Abwicklung des Schadens gegenüber der Versicherung im Portal detailliert dokumentieren muss.

Ein entscheidendes Manko

Jetzt kann man zu Recht fragen, warum der ganze Aufwand, wenn es auch einfach geht. In den Sinn kommen einem beispielsweise die großen Verkehrsrechtskanzleien aus Hamburg oder Dortmund. Deren Inhaber sind ebenfalls gute Verkäufer in eigener Sache. Das zeigt die Anzahl der eingeworbenen Verkehrsrechtsmandate, die am Ende eines Jahres weit jenseits der 10.000er Marke liegen. Und hier liegt auch der wesentliche Unterschied zu den Betreibern der Schadenportale. Diese haben nämlich übergreifend ein Manko: Ihnen fehlt die Anwaltszulassung!

Verkaufstalent

Das fehlende Manko der Anwaltszulassung machen die Betreiber der Portale jedoch durch eine besondere Begabung wieder wett: Ihr Verkaufstalent! Die Kunst besteht nämlich darin, Inhaber von Reparaturbetrieben zu überzeugen, für die Abwicklung des Schadens ihr kleines Softwareprogramm zu nutzen. Denn nur, wenn diese Quelle ständig sprudelt, kann der Betreiber des Portals die anderen potentiellen Nutzer, nämlich die Sachverständigen und Anwälten, dazu bringen, einen beträchtlichen Teil ihrer Honorare an ihn zu zahlen.

Achillesferse des Systems

Die Reparaturbetriebe sind also für die Betreiber der Portale Segen und Fluch zugleich. Spielt der Betrieb nicht so mit wie gedacht, war aller Einsatz für die Katz. So mancher Anwalt und Sachverständige, ausgestattet mit teuer erworbener Exklusivität und Gebietsschutz soll sich in den letzten Monaten herb enttäuscht wieder abgewendet haben. Gleiches gilt aber auch für die Anwälte und Sachverständigen selbst, die bekanntermaßen nicht immer die Qualität liefern können, die sie eingangs versprochen haben. Das wiederum führt dann zum Frust beim Geschädigten, was dem Reparaturbetrieb wiederum auf die Füße fällt.

Fazit:

Schadenportale können Reparaturbetrieben helfen, die Schadenabwicklung nahezu kostenfrei abzuwickeln. Risikofrei ist das jedoch nicht, da der Betreiber des Schadenportals bestimmt, wer den Schaden bearbeitet. Kfz-Sachverständige und Rechtsanwälte können auf bessere Umsätze hoffen.

Gerade Kanzleiinhaber sollten allerdings bedenken, dass sie neben den Kosten des Kaufs auch weiterhin die komplette Abwicklung inklusive detaillierter Dokumentation im Portal für die anderen Teilnehmer bewerkstelligen müssen. Das wiederum lassen sich die Betreiber der Portale auch noch teuer bezahlen, ohne dabei Umsätze garantieren zu können.

(eingestellt von H. Bruch)