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Dieselskandal, Verkehrswende, Selbstfahrer – die Zukunft des Automobils

09:47

„Schwer zu sehen, in ständiger Bewegung die Zukunft ist“, sagt der weise Jedi-Meister Yoda an einer Stelle der ursprünglichen Star-Wars-Trilogie. Wenn es um die Zukunft des Autos geht, wie wir es bislang kennen, sollte er aber klarer sehen – denn diese Zukunft ist düster.

Aktuelle Debatte: Fahrverbote für Dieselfahrzeuge

Ausgelöst wurde die große Debatte um Diesel, Abgasnormen und tatsächlichen Ausstoß im September 2015 durch eine US-Untersuchung von VW-Fahrzeugen. Bislang letzter Höhepunkt dieser Entwicklung war der sogenannt „Diesel-Gipfel“ zwischen Autoindustrie und Politik Anfang August.

Aber auch wenn als ein Kompromiss bei „älteren“, also nicht Euro-6-Fahrzeugen die Software nachgerüstet werden soll, wird es Fahrverbote in deutschen Innenstädten geben. In Stuttgart sind sie beschlossen, München droht noch damit.[1] Eine Klage der Deutschen Umwelthilfe (DUH) auf eine strengen Auslegung des Einfahrverbots hat Ende Juli das Verwaltungsgericht Stuttgart stattgegeben.[2] Bis weitere Städte nachziehen, ist es nur eine Frage der Zeit.

In Oslo hat die Stadtführung das Fahrverbot für den Diesel Anfang des Jahres schon einmal kurzfristig umgesetzt,[3] in Paris wurde schon 2014 über das Totalverbot laut nachgedacht,[4] 2025 soll es gemeinsam mit Athen, Mexico-City und Madrid umgesetzt werden.[5]

Mittelfristig: keine Neuzulassungen für Verbrenner

Vor etwas mehr als einem Jahr hat das österreichische Umweltbundesamt vorgeschlagen, den Verkauf konventioneller PKW ab 2020 „stark einzuschränken“ und stattdessen Elektrofahrzeuge zu verkaufen.[6] Norwegens „radikaler Elektroauto-Plan“ (O-Ton Manager Magazin) sieht vor, dass ab 2025 keine Diesel- und Beninz-PKW mehr zugelassen werden.[7] Die Niederlande haben sich das selbe Jahr als Ziel gesetzt.[8]

In der Bundesrepublik sind solche Pläne laut der Bundesregierung derzeit nicht vorgesehen, die Grünen haben dagegen auf einem Bundesparteitag dafür stark gemacht, dass ab 2030 hierzulande nur noch Elektroautos produziert werden.[9]

In Indien ließ sich der Energieminister damit zitieren, das Land im Jahr 2030 komplett auf Elektroautos umzutellen.[10] Die ehemalige Kolonialmacht England will sich etwas länger Zeit lassen: Erst ab dem Jahr 2040 soll das Verkaufsverbot für Autos mit Verbrennungsmotor gelten.[11]

Die Zukunft: Streckenverbote für Selbstfahrer

Eine andere große Diskussion sind selbstfahrende Autos. So hat der Tüv in einer Studie beispielsweise herausgearbeitet, welchen Herstellern deutsche Autofahrer vertrauen (Tesla steht auf Platz 4 zwischen vier hiesigen Marken), wo die Umfrageteilnehmer autonomes Fahren ablehnen (stärker auf der Autobahn als in der Stadt) und wie es mit Zugriff und Kontrolle der anfallenden Daten aussieht (unabhängige Dritte bevorzugt).[12]

Zum Glück für die Branche bzw. die Befürworter war der tödliche Unfall, der sich im Sommer 2016 bei einem selbstfahrenden Tesla ereignete, „menschliches Versagen“ statt die Schuld der Software.[13] Aus den USA wird berichtet, wie kreativ ein anderer Test gefahren wurde. Scheinbar fuhr das Fahrzeug wirklich autonom, obwohl nach dem aktuellen Stand noch ein menschlicher Mitfahrer für Notfallsituationen an Bord sein muss. Des Rätsels Lösung: Der Fahrer war als Sitz verkleidet und hatte seine Hände extrem tief am Lenkrad.[14]

Die Ethik-Kommission des Bundesverkehrsministers ist jedenfalls zu dem Schluss gekommen, dass autonomes Fahren „ethisch geboten“ sei, wenn es die Zahl der Unfälle reduziere.[15]

Zu welchen Konsequenzen das für Selbstfahrer führen kann (oder wird), zeigt sich in der Schweiz: In einer „brisanten Vision“ des Bundesamtes für Straßen ist ab 2040 ein Autobahnverbot möglich.[16]

Zum Nachdenken: Was ausgeblendet wird

Ein unaufgeregtes Interview, wie „schmutzig“ ein Diesel wirklich ist, hat das renommierte Helmholtz-Institut veröffentlicht.[17]

Zum Thema „Betankung“ des Elektroautos hat die Wirtschaftswoche sehr plakativ in einem Artikel die Zwischenüberschrift „Die miserable Bilanz der Elektroautos“ gesetzt.[18] Eine Untersuchung im Auftrag der schwedischen Energieagentur hat herausgearbeitet, wie schlecht die Klimabilanz einer Batterie ist (allein ihre Produktion entspricht zwischen 30.000 und 100.000 km Fahrtstrecke eines Benziners).[19] Und auf der ethischen Seite hat die englische Daily Mail sich mit den Arbeitsbedingungen der Kinderarbeiter in den Cobalt-Minen im Kongo auseinandergesetzt.[20] Davon abgesehen haben wir noch keine ernstzunehmenden Prognosen gefunden, wie lange (Zeit) bzw. wie weit (Menge) die natürlichen Ressourcen für den Akku-Bau reichen.

In einem Beitrag über Tesla und Subventionen berichtet die Financial Post auch von einer Berechnung des britischen Stromanbieters National Grid: Um die Spitzenlasten aufzufangen, die sich aus den Regierungsplanungen für Elektroautos ergeben, müsse die Stromkapazität um 50% erhöht werden. Das entspräche 10 neuen Atomkraftwerken.[21]

Fazit

Auch wir wissen nicht, wie es mit dem Automobil (und der deutschen Automobilindustrie) weitergeht. Eine Sache dürfte aber sicher sein: Wer heutzutage als verantwortlicher Manager bei einem Hersteller zu 100% auf den Verbrennungsmotor setzt, kann sich das berühmte Zitat „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“ von Wilhelm II. in sein Arbeitszeugnis schreiben lassen.[22]

Offen ist nur, ab wann und wie heftig die Benziner bekämpft werden und wie es mit Oldtimern weitergeht. Für die gelten schließlich diverse Sonderregelungen.

Quellen

[1] http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-06/diesel-fahrverbot-deutschland-staedte-faq (16. Juni 2017)

[2] http://www.zeit.de/mobilitaet/2017-07/dieselautos-umwelthilfe-gewinnt-prozess-um-fahrverbot-in-stuttgart (28. Juli 2017)

[3] http://www.spiegel.de/auto/aktuell/diesel-fahrverbote-in-oslo-smog-erfordert-drastische-massnahmen-a-1130242.html (16. Januar 2017)

[4] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/anne-hidalgo-strebt-verbot-fuer-dieselautos-in-paris-an-13309358.html (8. Dezember 2014)

[5] https://www.heise.de/newsticker/meldung/Paris-Mexiko-Stadt-Madrid-und-Athen-wollen-Dieselautos-verbannen-3550894.html (5. Dezember 2016)

[6] https://autorevue.at/autowelt/oesterreich-2020-diesel-bezinautos (16. April 2016)

[7] http://www.manager-magazin.de/unternehmen/autoindustrie/norwegen-ab-2025-nur-noch-abgasfreie-autos-a-1084010.html (24. März 2016)

[8] https://www.theglobeandmail.com/globe-drive/news/trans-canada-highway/netherlands-looks-to-ban-all-gas-diesel-car-sales-by-2025/article29583676/ (11. April 2016)

[9] http://www.autozeitung.de/zev-benziner-diesel-verbot-bis-2050-116894.html (26. Juli 2017)

[10] http://economictimes.indiatimes.com/industry/auto/news/industry/india-aims-to-become-100-e-vehicle-nation-by-2030-piyush-goyal/articleshow/51551706.cms (26. März 2016)

[11] http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2017-07/grossbritannien-verbietet-diesel-und-benziner (26. Juli 2017)

[12] http://www.wz.de/home/auto/tuev-umfrage-autonomes-fahren-ruft-nach-datenschutz-1.2441346 (22. Mai)

[13] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/tesla-unfall-109.html (20. Januar 2017)

[14] https://www.theguardian.com/technology/2017/aug/08/self-driving-autonomous-vehicle-man-dressed-up-as-car-seat-arlington-virginia-tech-university?CMP=twt_a-technology_b-gdntech (8. August 2017)

[15] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/selbstfahrende-autos-gutachter-halten-autonomes-fahren-fuer-ethisch-geboten-1.3552554 (20. Juni 2017)

[16] https://www.aargauerzeitung.ch/leben/leben/brisante-vision-des-bundes-nur-noch-selbstfahrende-autos-auf-autobahnen-ab-2040-131552166 (9. August 2017)

[17] https://www.helmholtz.de/luft_raumfahrtfahrt_und_verkehr/wie-schmutzig-ist-der-diesel-wirklich-8055/ (2. August 2017)

[18] http://www.wiwo.de/technologie/auto/autoderzukunft/autozoom-die-miserable-bilanz-der-elektroautos/6547916-2.html (26. April 2012)

[19] http://www.taz.de/!5418741/ (18. Juni 2017)

[20] http://www.dailymail.co.uk/news/article-4764208/Child-miners-aged-four-living-hell-Earth.html#ixzz4p4Ka8WUT (5. August 2017)

[21] http://business.financialpost.com/opinion/lawrence-solomon-how-teslas-elon-musk-became-the-master-of-fake-business/wcm/12e8fd62-b49d-40d1-90e4-03105e49a514 (11. August 2017)

[22] http://www.sueddeutsche.de/politik/die-bizarrsten-zitate-von-kaiser-wilhelm-ii-blut-muss-fliessen-viel-blut-1.470594-14 (27. Januar 2009)