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Glossar

Ausfallrisiko

Risiko des teilweisen oder vollständigen Forderungsverlustes wegen der Zahlungsunfähigkeit eines Rechnungsempfängers (Debitors). Das Factoringunternehmen übernimmt das Ausfallrisiko bis zu hundert Prozent regresslos.

Außenstände

Unbezahlte Rechnungen, die die Liquidität belasten; betriebswirtschaftlich gesehen totes Kapital, das sich mit Hilfe von Factoring problemlos aktivieren lässt.

Basel III

Der Begriff „Basel III“ bezeichnet eine Reform des Basler Ausschusses für die bereits bestehende Bankenregulierung nach Basel II. Diese Reformierung wurde in Folge der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise ab 2007 notwendig, weil u. a. die Risikoprüfung und -bewertung nach Basel II nicht ausreichend und die Eigenkapitalausstattung systemrelevanter Banken zu niedrig war. Gemäß der Neuregelungen nach Basel III soll die Kapitalbasis der Banken durch verschärfte Liquiditätsanforderungen verstärkt werden. Die Quoten für das harte Kernkapital werden schrittweise bis 2018 erhöht.

Bonität

Die Bonität oder Kreditwürdigkeit ist in der Finanzwirtschaft die Fähigkeit, die aufgenommenen Schulden zurückzuzahlen (wirtschaftliche Rückzahlungsfähigkeit) und die Bereitschaft, diese zurückzuzahlen (Zahlungswilligkeit). Bei Emittenten von Wertpapieren wird unter Bonität die Fähigkeit verstanden, die Emission nebst Zinsen zu bedienen und zu tilgen. Daraus ableitbar ist die Wahrscheinlichkeit, mit der ein Kreditnehmer in der Lage und willens sein wird, die erforderlichen Rückzahlungen zu leisten.

Debitorenbuchhaltung

Auf deutsch auch Kundenbuchhaltung: Überwachung und Buchung der Zahlungseingänge, was im Rahmen des Factoringvertrages vom Factoringunternehmen übernommen wird.

Debitorenmanagement

Dazu gehören Debitorenbuchhaltung, regelmäßige Bonitätsprüfung, Mahnwesen und Inkasso. Für das Unternehmen ist das Debitorenmanagement häufig mit erheblichem Zeit- und Personalaufwand verbunden; die Übernahme des Debitorenmanagements gehört zum Serviceangebot des Factoringunternehmens.

Delkredere

Haftung des Factoringunternehmens für teilweisen oder vollständigen Forderungsverlust durch Zahlungsunfähigkeit des Rechnungsempfängers. Die Zahlungsunfähigkeit gilt nach einer festgelegten Frist ohne besonderen Nachweis als eingetreten, wenn der Rechnungsempfänger nicht gezahlt und keine Einwände gegen seine Zahlungspflicht erhoben hatte.

Eigenkapitalquote

Kennzahl aus der Bilanzanalyse, bei der das Eigenkapital zum Gesamtkapital in Beziehung gesetzt wird.

Factoring

Factoring ist der laufende Ankauf von Forderungen aus Lieferungen oder Leistungen des Factoringkunden (= „Anschlusskunden“ oder „Verkäufers“) durch den Factor („Käufer“) nach Maßgabe eines Rahmenvertrags. Je nach vertraglicher Ausgestaltung können dem Factoring folgende Funktionen zukommen: Finanzierung, Dienstleistung und/oder Delkredere.

Echtes Factoring

Beim sogenannten echten Factoring („non-recourse-factoring“) kauft der Factor die Forderungen des Anschlusskunden endgültig an, er übernimmt mit dem Abschluss des Kaufvertrags das Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Schuldners der verkauften Forderung (Delkrederefunktion).

Erlaubnispflicht des Factoring

Nach § 32 Abs. 1 Satz 1 KWG (Kreditwesengesetz) bedarf der schriftlichen Erlaubnis der BaFin, wer im Inland gewerbsmäßig oder in einem Umfang, der einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb erfordert, Bankgeschäfte betreiben oder Finanzdienstleistungen erbringen will.

Factoringentgelt

Preis für die Übernahme des Ausfallrisikos und des Debitorenmanagements durch das Factoringunternehmen. Er richtet sich nach Risiko und Arbeitsaufwand und liegt in Deutschland zwischen 0,8% und 4,5% vom angekauften Forderungsbestand.

Factoringunternehmen

Anbieter der komplexen Finanzdienstleistung Factoring, zu der neben kurzfristiger Umsatzfinanzierung auch hundertprozentige Absicherung vor Forderungsausfällen und Übernahme des Debitorenmanagements gehören. Die in Deutschland tätigen Factors bieten ihren Kunden neben dem Standardfactoring, auch Full-Service-Factoring genannt, vielfältige Factoringvarianten, die sich nach dem Bedarf der Kunden richten.

Geldforderungen

Außenstände aus Warenlieferungen und Dienstleistungen; ohne die Nutzung von Factoring sind sie für den Lieferanten bis zur endgültigen Bezahlung mit einem Ausfallrisiko verbunden. Durch Verkauf seiner Geldforderungen an das Factoringunternehmen erhält der Dienstleister sofort Liquidität.

Inkasso

Einzug von Forderungen; im Rahmen des Factoring ist das Inkasso ein Teil des Debitorenmanagements.

Insolvenz

Dauernde Unfähigkeit, fällige finanzielle Verpflichtungen zu erfüllen.

Kosten des Factorings

Die Kosten des Factoring setzen sich aus den Zinsen für die Finanzierung der Forderungen und dem Factoringentgelt zusammen. Die Zinsen entsprechen den banküblichen Kontokorrentzinsen, die Laufzeit wird anhand des Zahlungseingangs der ausstehenden Forderungen berechnet. Fallweise kann für die Bonitätsprüfung ein weiterer Kostenfaktor hinzukommen.

Kreditversicherung

Auch der Abschluss einer Kreditversicherung dient dazu, sich vor Ausfallrisiken zu schützen. Im Unterschied zum Factoringunternehmen übernimmt die Versicherung das Risiko nicht zu hundert Prozent. Prämien für eine Kreditversicherung können bei der Zusammenarbeit mit einem Factoringunternehmen eingespart werden.

Leasing

Leasing dient zur Finanzierung von Fahrzeugen, Maschinen und anderen mobilen Anlagegütern. Die geleasten Gegenstände bleiben im Eigentum der Leasinggeber, während der Leasingnehmer die Gegenstände gegen Zahlung einer regelmäßigen Leasingrate nutzen kann.

Liquidität

Wird von dem Factoringunternehmen bereitgestellt; betriebswirtschaftliche Grundbedingung für soliden geschäftlichen Erfolg, häufig durch hohe Außenstände gefährdet.

Mahnwesen

Teil des Debitorenmanagements, das bei den meisten Factoringvarianten auf das Factoringunternehmen übertragen wird.

Mietfactoring

Beim Mietfactoring gewährt der Factor seinem Anschlusskunden die Möglichkeit, ihm unter bestimmten Bedingungen rückständige Mietforderungen abzutreten. Da die Mietforderungen fällig sind, handelt es sich um einen Unterfall des Fälligkeitsfactoring, der nicht unter § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 9 KWG fällt, wenn der Factor mit dem Ankauf das Delkredererisiko übernimmt.

Mehrwert des Factorings

Verbesserte Liquidität durch Abbau der Außenstände, Einsparungen beim Einkauf durch Skontos und Rabatte, bis zu hundertprozentige Sicherheit vor Zahlungsausfällen, Kostenersparnis für das Debitorenmanagement, laufende Bonitätskontrolle der Debitoren, Wegfall der Kosten für eine Kreditversicherung, zusätzlich Verbesserung der Bilanzstruktur, Verbesserung des Standings bei Banken und Lieferanten.

Offenes Factoring

In Deutschland vorherrschende Form des Factoring, bei der die Debitoren über die Zusammenarbeit mit dem Factoringunternehmen informiert werden.

Outsourcing

Outsourcing bzw. Auslagerung bezeichnet die Abgabe von Unternehmensaufgaben und -strukturen an externe oder interne Dienstleister. Es ist eine spezielle Form des Fremdbezugs von bisher intern erbrachter Leistung, wobei Verträge die Dauer und den Gegenstand der Leistung fixieren. Das grenzt Outsourcing von sonstigen Partnerschaften ab.

Rabatte

Bringen Kostenersparnis beim Einkauf, lassen sich in der Regel durch Barzahlung erzielen. Vorteilhafte Einkaufskonditionen sind ohne ausreichende Liquidität kaum möglich.

Rahmenverträge

Der erstmalige Aufkauf eines Forderungsbestandes begründet den Tatbestand des Factoring nur dann, wenn die Parteien weitere Geschäfte dieser Art vorhaben. Davon ist regelmäßig auszugehen, wenn dieses Vorhaben vertraglich festgehalten ist. Zwischen dem Verkäufer von Forderungen und dem Käufer muss eine laufende Geschäftsbeziehung bestehen, in deren Rahmen der Käufer (Factor) immer wieder Forderungen „ankauft“. Darüber hinaus muss diesen Geschäften eine Rahmenvereinbarung zugrunde liegen, die aber nicht notwendigerweise schriftlich zu fixieren ist.

Rating

Kreditinstitute erstellen für jedes Unternehmen vor einer Kreditvergabe eine individuelle, Bonitätsanalyse, ein so genanntes Rating. Dabei handelt es sich um eine Kennzahl, die eine Ausfallwahrscheinlichkeit des Unternehmens kennzeichnet.

Risikoübernahme

Wichtige Leistung im Rahmen des Factoring; das Factoringunternehmen übernimmt im Gegensatz zur Warenkreditversicherung das Risiko bis zu hundert Prozent regresslos, er trägt das volle Ausfallrisiko bei Insolvenz des Abnehmers ohne speziellen Nachweis.

Sicherheitseinbehalt

Dient dem Factor normalerweise zum Ausgleich von Rabatten, Skontos oder eventuellen Mängeleinreden durch Debitoren; er beträgt zwischen 10 % und 20 % der gekauften Forderung und wird bei Fälligkeit verrechnet bzw. ausbezahlt. Im Kfz-Sachverständigenbereich nicht üblich.

Unechtes Factoring

Beim „unechten Factoring“ („recourse factoring“) behält sich der Factor vor, bei Zahlungsunfähigkeit des Schuldners (Debitor) die Forderung dem Anschlusskunden rückzubelasten. Zivilrechtlich wird die Forderung nur erfüllungshalber (vgl. § 364 Abs. 2 BGB) auf den Factor übertragen; solche Verträge sind nach höchstrichterlich gefestigter Rechtsprechung zivilrechtlich nicht als Kauf, sondern als Darlehen zu werten.

Zahlungen des Factoringunternehmens

Das Factoringunternehmen zahlt unmittelbar nach Vorlage der Rechnungskopien bis zu 100 % des Rechnungsbetrages aus.

Zahlungsziele

Zahlreiche Unternehmen räumen ihren Kunden großzügig Zahlungsziele ein und schaffen sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil.

Zessionskredit

Es handelt sich um einen kurzfristigen Kredit, der durch globale Abtretung offener Forderungen an ein Kreditinstitut gesichert wird. In der Regel beleihen Kreditinstitute aber nur inländische Forderungen und auch nur pauschal in Höhe von 40 % bis 60 % des abgetretenen gesamten Forderungsbestandes.